Mich selbst heilen

Jin Shin Jyutsu: Heil- und Lebenskunst

Nach über acht Jahren Hüftschmerzen hatte ich die Nase voll davon, mehrmals im Monat zu Ärzt*innen zu rennen, die nur vage Diagnosen stellen und mir gegen meine Schmerzen letztendlich nichts außer Tabletten empfehlen konnten. Mit Homöopathie, Physiotherapie und Osteopathie war ich ebenfalls schon durch. Mir wurde immer klarer: Ich wollte keine Pillen schlucken (egal ob chemisch oder pflanzlich) und weder von Pharmazie noch teuren Therapeut*innen abhängig sein. Also habe ich nach einer Heilmethode gesucht, die ich bei mir selbst anwenden kann und zwar mit Leichtigkeit und immer und überall.
Seit Juni 2015 lerne und lebe ich nun Jin Shin Jyutsu und fühle mich damit rundum wohl und heil.

Was ist Jin Shin Jyutsu?

Woher stammt diese mehrere tausend Jahre alte Heilkunst?

Alten Aufzeichnungen zufolge, die in den Archiven des kaiserlichen Palasts in Japan aufbewahrt werden, war Jin Shin Jyutsu bereits vor der Geburt des Gautama Buddha (*563 v. Chr., † 483 v. Chr.) in Indien und vor der Geburt von Moses, die in der Bibel aufgezeichnet ist, weit verbreitet. Die Heilkunst wurde vor allem mündlich überliefert, sodass sie über die Jahrtausende in Vergessenheit geriet. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde sie von dem Japaner Jiro Murai (*1886, † 1960) wiederentdeckt. Durch seine Schülerin Mary Burmeister (*1918, † 2008) gelangte die Heilkunst um 1950 schließlich auch nach Amerika und Europa. Heute gibt es in über 20 Ländern Jin Shin Jyutsu-Praktiker*innen, von denen viele noch von Mary selbst unterrichtet worden sind.

Wie funktioniert Jin Shin Jyutsu?

Wie das Blut in Blutbahnen durch unser Inneres fließt, strömt die Lebensenergie über sogenannte Energiebahnen durch unseren Körper. Wird dieser Energiefluss gestört, entstehen Blockaden, die Beschwerden und Krankheiten verursachen können – vergleichbar damit, wenn sich das Blut in seinem Kreislauf staut. Gestört werden kann der Energiefluss sowohl durch plötzliche Veränderungen (z.B. ein Schicksalsschlag) als auch durch tägliche Gewohnheiten, mit denen wir uns selbst schaden (z.B. eine unpassende Ernährungsweise oder destruktive Gedanken). Jin Shin Jyutsu ist eine Kunst zur Harmonisierung der Lebensenergie in unserem Körper. Durch das Auflegen der Finger auf bestimmte Körperstellen lassen sich Blockaden lösen und Selbstheilungskräfte aktivieren.

Wie kann ich mir das mit der „Lebensenergie“ vorstellen?

Marys Beispiel hierzu ist einfach und anschaulich: Was genau bringt den Wagen zum Anspringen, wenn ich den Zündschlüssel meines Autos umdrehe? Was betreibt die Scheinwerfer? Antwort: Die Autobatterie. Sie ist die erforderliche Energiequelle für die verschiedenen Funktionen des Autos. Und was bringt das Herz zum Schlagen? Was ermöglicht Atmung und Verdauung? Antwort: Die Lebensbatterie ist die nötige Quelle für all unsere Körperfunktionen. Durch Jin Shin Jyutsu weiß ich, wie, wann und warum ich den Strom meiner Lebensbatterie bei voller Kraft erhalten kann.

Was genau mache ich bei Jin Shin Jyutsu?

Du kannst Jin Shin Jyutsu sowohl als sogenannte „Selbsthilfe“ bei dir selbst anwenden als auch dich von einem*r ausgebildeten Praktiker*in strömen lassen. Im Jin Shin Jyutsu können wir:

  • unsere Finger und/ oder Zehen halten. Dafür umschließt du z.B. einen Finger der einen Hand mit der anderen Hand und hältst ihn einige Minuten (s. Abb. weiter unten).
  • acht ausgewählte Mudras strömen. Mudras sind Finger- und Handhaltungen mit Heilwirkung. Die ein oder andre hast du vielleicht schon mal bei Buddha-Statuen gesehen.
  • eines oder mehrere der 26 SES (Sicherheitsenergieschlösser) strömen. Ein Sicherheitsenergieschloss ist eine Körperstelle, ungefähr so groß ist wie die Faust der dazugehörigen Person (SES sind dreidimensional). Auf jeder Körperhälfte gibt es 26 SES (s. Abb.). Wir können eines strömen, indem wir unsere Fingerspitzen, Hände oder Füße darauf legen und dort ein paar Minuten halten.
  • Organströme und andere Strömmuster strömen. Dafür strömen wir ein bestimmtes Muster aus drei oder mehren SES. D.h. dass wir verschiedene Körperstellen in einer bestimmten Reihenfolge berühren. Dabei nehmen wir uns für jedes SES mindestens eine Minute Zeit.

Fingerhalten – einfach selber machen!

Jin Shin Jyutsu ist für jede*n einfach, schnell, wirkungsvoll und auch im Alltag anwendbar. Da es keine komplizierten Körperhaltungen erfordert, ist es für Menschen jeden Lebensalters geeignet. Am einfachsten ist es, du beginnst mit dem Halten deiner Finger. Dafür umschließt du einen Finger der einen Hand entspannt mit der anderen Hand. Das kannst du beim Lesen machen, beim Warten in der Einkaufsschlange, in der U-Bahn, während einer Unterhaltung, beim Filmschauen … Ich halte immer und überall einen Finger.

Halten vom

  • Daumen harmonisiert Sorge und Grübeln.
  • Zeigefinger harmonisiert Angst und Mangel (z.B. Mangel an Geborgenheit, Berührung).
  • Mittelfinger harmonisiert Wut und Gereiztheit.
  • Ringfinger harmonisiert Trauer und hilft beim Loslassen.
  • Kleiner Finger harmonisiert Bemühung und Verstellung (z.B. wenn du innerlich weinst und äußerlich lachst).

Welchen Finger und auf welcher Körperseite wir ihn halten, hat noch viele weitere spannende Bedeutungen. Anfangs können wir einfach spontan entscheiden, welchen Finger wir halten. Unser Körper zeigt uns nämlich, was wir brauchen. Das Wissen ist längst in uns: Bereits Babys unterstützen durch Daumenlutschen ihre Verdauung (sowohl von Nahrung als auch von Eindrücken) und harmonisieren die Sorgen ihrer Eltern.

Meine Erfahrungen

Eine Entdeckungsreise zu mir selbst

Angefangen habe ich mit dem Fingerhalten auf dem Weg zur Arbeit in der U-Bahn und in der Warteschlange. Dann habe ich zufällig entdeckt, dass es mir persönlich herrlich gut tut, meine Hände auf meinen Brustkorb oberhalb der Busen zu legen. Ich wollte unbedingt die Zusammenhänge verstehen und habe in meinen Jin Shin Jyutsu Büchern nachgelesen, was das denn für eine Stelle ist. Bald habe ich auch beobachtet und verstanden, warum meine Hände oft wie von selbst dorthin wandern, wenn mir jemand zum Beispiel Vorwürfe macht oder ich sehr traurig bin und nicht weiß, warum: Das dort liegende SES 13 bedeutet „Liebe deine Feinde“. Es zu strömen, half und hilft mir dabei, das Gute in anderen zu sehen, mich anzunehmen, wie ich bin, mich selbst zu lieben, emotionale Verletzungen ebenso wie Schuldgefühle loszulassen, bei Nacken- und Schulterverspannungen und einigem mehr.
So habe ich nach und nach dieses und jenes SES für mich entdeckt und schließlich auch die Organströme.

Wunsch nach Unabhängigkeit

Mich begeistert bei dieser Heilmethode besonders, dass ich durch das Selbststudium mittels Buch und/ oder in sogenannten „Selbsthilfekursen“ lernen kann, das alles bei mir selbst anzuwenden. Durch das tägliche Strömen habe ich keine Migräne mehr, selten noch Schmerzen bei der Periode, bin ausgeglichener und kann vielen Menschen und Herausforderungen gelassener begegnen. Schon nach einem halben Jahr konnte ich alle Symptome von Erkältungen (Husten, Frösteln, Heiserkeit, verstopfte Nase usw.) bei mir selbst harmonisieren. Inzwischen bekomme ich nicht einmal mehr Erkältungssymptome, weil ich immer schon rechtzeitig meine Erschöpfung, negative Gedanken oder andere Auslöser bemerke und mein Verhalten bzw. meine Gedanken entsprechend verändere. Dadurch fühle ich mich weitestgehend unabhängig von Krankenkasse, Ärzt*innen und Pharmazie, auch wenn ich den Rat von ausgewählten Fachmenschen bei größeren Herausforderungen weiterhin gern hinzuziehe.

Schocks und Selbstermächtigung

Als meine Frauenärztin im Herbst 2016 feststellte, dass verschiedene meiner untersuchten Blutwerte auf entstehenden Krebs hindeuteten, war ich schockiert. Und noch mehr über ihre Aussage, es gäbe keine Medikamente, nur eine OP könne helfen. Sie versuchte mich damit zu beruhigen, dass ja nur ein ganz kleines Stück aus meiner Gebährmutter herausgeschnitten würde. Nur so könne verhindert werden, dass dort Krebs entstehe.
Als Tänzerin bin ich sehr feinfühlig, besonders körperlich. Für mich war klar: Ich brauche kein einschneidenes Erlebnis wie eine OP.
Meine Frauenärztin sah meinen Vorschlag kritisch, doch ich wusste, dass das Risiko so oder so bei mir liegt: Wir vereinbarten einen Zeitraum, in dem sie meine Werte immer wieder kontrollieren würde. Ich strömte mich täglich mehrere Stunden und ließ mich mindestens einmal wöchentlich von meiner damaligen JSJ-Lehrerin Brigitte und von meinem Freund strömen. Außerdem überdachte ich meinen stressigen Lebensstil zwischen Lohnarbeit, Kunst und Aktivismus und die ein oder andere sehr ehrgeizige Lebenseinstellung.
Bei der Messung ein halbes Jahr später waren die Werte besser und ein Jahr später gab meine Frauenärztin Entwarnung: Alle Werte einwandfrei, keine OP nötig. Was war ich dankbar und erleichtert!

Für mich selbst gut sorgen zu können fühlt sich ebenso ermächtigend an wie, für andere da sein zu können. Diese Erfahrung durfte ich sowohl unmittelbar machen, als ich meine Mutter eine Woche lang nach ihrer OP jeden Tag zweimal bei uns Zuhause strömte, als auch durch die Erzählungen meines Freundes, der seine Mutter im Krankenhaus täglich geströmt hat. Jedes Mal mit großem Erfolg. Wir haben alle viel gelernt, besonders, Verantwortung für unsere eigene Gesundheit zu übernehmen – was für eine Selbstermächtigung!

Vom Symptom zur Ganzheit

Eine Zeit lang bin ich jede Woche in den zweistündigen Selbsthilfekurs der langjährigen Selbsthilfelehrerin und Praktikerin Brigitte Hofmann in Berlin gegangen. Dort haben wir uns in einer Gruppe von vier bis zehn Menschen miteinander geströmt (jede*r sich selbst), interessante Informationen erhalten und Fragen stellen können. Anfangs hatte ich Fragen wie: „Was ströme ich, damit ich nicht mehr so oft angespannt bin?“ oder „Wie kann ich besser einschlafen?“
Ich habe vor allem „Symptombehandlung“ betrieben und in meinen Jin Shin Jyutsu Büchern nachgeschlagen, was ich denn nun „gegen“ Allergien strömen kann oder „gegen“ ständige Gereiztheit. Inzwischen ist Jin Shin Jyutsu für mich mehr als ein Heilen von Symptomen. Wenn ich auf ein bestimmtes Symptom hin ströme, kann ich zwar dieses und auch seine Ursachen harmonisieren, doch langfristig ist es viel heilsamer, sich regelmäßig und symptomunabhängig zu strömen.

Mittlerweile ströme ich nicht nur überall, wo ich gerade stehe und gehe, sondern nehme mir auch fast täglich mindestens eine Stunde, in der ich mich ins Bett, auf die Couch oder auf eine Decke draußen in der Sonne kuschle, um mich ganz in Ruhe zu strömen. Anfangs habe ich dabei Musik oder Hörbücher gehört, doch inzwischen genieße ich lieber die Stille und den meditativen Zustand, der entsteht, wenn ich mir lausche. Ich sehe diese Zeit als Liebesbeweis und Wertschätzung mir selbst gegenüber – und allein dieser Gedanke tut schon gut und ist heilsam.

Auch meine Beziehung zu meinen Hüftschmerzen, die ich seit meinem 17. Lebensjahr habe, hat sich grundlegend verändert. Mit den Jahren durfte ich vieles verstehen lernen: Manche „Krankheiten“, die Mary übrigens klugerweise „Projekte“ nennt, sind kleine Hinweise, die verschwinden, sobald wir sie verstanden haben. Andere sind eine Lebensaufgabe. Ob wir sie ablehnen oder annehmen, ändert nichts daran, dass sie uns begleiten, doch viel daran, wie es uns mit ihnen geht.

„Die Kunst MICH SELBST KENNEN (mir helfen) LERNEN“:

Oft gestellte Fragen

Wie viel kostet so was denn?

Wenig Zeit, da ich meine Hände auf einem Spaziergang, im Kino oder bei einem Plenum sowieso frei habe, um einfach einen Finger zu halten. Lieber drei Minuten strömen als gar nicht. Und sicher auch weniger Zeit, weniger Schmerzen und weniger Geld als dann später eine OP. Wie ein Modern Dance Lehrer von mir sagte: „Be careful! You’ve got just one body. If it’s broken, it’s broken.“ („Sei achtsam! Du hast nur einen Körper. Wenn du ihn kaputt machst, ist er kaputt.“)

Jede*r Prakter*in entscheidet selbst über sein*ihre Preise. Einzelsitzungen dauern in der Regel 60 Minuten und kosten ab 40 Euro aufwärts. Brigittes wöchentlicher Selbsthilfekurs kostet beispielsweise zwölf Euro und dauert zwei Stunden.

Mein Freund und ich strömen uns auch gerne gegenseitig und besuchen immer mal wieder zweistündige Abendkurse, wo wir lernen, Strömmuster an jemand anderem zu strömen. Es ist meditativ und fühlt sich gut an, denn wenn wir jemand anderen strömen, heilen wir zugleich auch uns selbst – etwas, das ich sehr faszinierend finde. Auch meine Familie und meine Freund*innen kommen immer wieder in den Genuss, von mir geströmt zu werden – natürlich geldfrei!

Und aus meinen Fingern kommt dann echt Energie raus?

Ich habe schon vielen Freund*innen, Kolleg*innen und anderen Menschen von Jin Shin Jyutsu erzählt, manchen mein Lieblingsbuch (s. Abb.) dazu geschenkt und einige auch dafür begeistert. Dabei habe ich erstaunt festgestellt, dass die meisten eher dazu bereit sind, sich von mir strömen zu lassen, anstatt selbst Hand anzulegen. Beim Nachfragen habe ich mich immer wieder darüber gewundert, wie groß die Barrieren in unseren Köpfen sind. Die Vorstellung, dass ich mich selbst heilen kann, ganz allein, scheint für manche unmöglich und sogar beängstigend. Oder ist es eher eine Scheu davor, Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen?

Ich jedenfalls sehe darin eine große Chance und genieße es, mir jeden Tag ganzheitlich Zeit zu widmen. Denn Jin Shin Jyutsu wirkt fließend leicht auf allen Ebenen: körperlich, energetisch, seelisch, emotional, …

"Jin Shin Jyutsu"
von Waltraud Riegger-Krause

Wo kann ich mehr darüber lesen?

Die Informationen für diesen Blogartikel habe ich neben eigenen Erfahrungen und Gesprächen mit Praktiker*innen v. a. aus folgenden beiden Quellen geschöpft:

Hier findest du Adressen sämtlicher Praktiker*innen und Kurse Europaweit.

Fürs Selbststudium empfehle ich mein Lieblings-Jin-Shin-Jyutsu-Buch (neu 17 Euro):  „Jin Shin Jyutsu“ von Waltraud Riegger-Krause (Gebundenes Buch, EAN 9783424151718). Hol dir das Buch am besten gebraucht oder unterstütze lokale Buchhandlungen. Online findest du es auch bei Fairmondo, einer nachhaltigen, ethischen Alternative für verschiedenste online-Bestellartikel.
Ich habe mir dieses Buch auf Empfehlung meiner damaligen JSJ-Lehrerin Brigitte Hofmann hin zum Einstieg gekauft und schon öfters an interessierte Freund*innen verliehen oder verschenkt. Es ist wundervoll umfassend, deshalb habe ich es nicht von vorn bis hinten gelesen, sondern immer wieder hier und da gestöbert. Ich verwende es als „Arbeitsbuch“, zum Nachschlagen und Notizenmachen. Mit jedem Lesen staune ich über neue Zusammenhänge, die ich erkennen darf.

Viel Vergnügen dabei, deine Gesundheit (wortwörtlich) in deine eigenen Hände zu nehmen!

Ich freue mich über deinen Kommentar!

Ich bin neugierig: Hat dich mein Blogartikel inspiriert? Was für Erfahrungen hast du mit Jin Shin Jyutsu gemacht? Welche Beziehung hast du zu deiner Gesundheit?

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